Habe ich Angst? / Vor einem unheimlichen Virus.

Habe ich Angst vor einem unheimlichen Virus?

Es ist still geworden hier bei uns in Spanien. Meine Familie und ich leben in Spanien und das eigentlich sehr gerne. Lebe ich immer noch voller Freude hier, jetzt in dieser Situation? Wäre ich in Deutschland besser aufgehoben?

Ja, ich lebe immer noch gerne hier. Egal, wo ich mich befinden würde, sicher bin ich in keinem anderen Land.


Unsere Welt steht so langsam überall still.

Dieses unangenehme Virus nimmt uns unseren gewohnten Lebensraum. Wir dürfen nicht mehr auf die Straße, können keinen lieb gewordenen Spaziergang mehr machen und unsere Familie und Freunde nicht treffen.

Wieder empfinde ich es wunderbar und bin voller Dankbarkeit, dass unsere Kinder neben uns wohnen. Wir können sie sehen, mit ihnen sprechen. Umarmt haben wir uns nun schon mehr als zwei Wochen nicht mehr, denn unser Sohn und Schwiegertochter arbeiten in Firmen, die arbeiten dürfen, und treffen somit auf andere Menschen. Vorsicht kann nicht verkehrt sein. Abstand muss sein.

Meine beiden schon erwachsenen Enkelkinder sind meinem Herzen so nah. Auch wenn unser großer Enkel 100 km von uns entfernt, in Valencia lebt und leider nicht zu uns kommen kann, ist er in Gedanken immer bei mir. Wir telefonieren und schreiben uns, manchmal machen wir eine Video-Schaltung. Ich kann ihn sehen und bin in dem Augenblick unheimlich glücklich. Wenn er dann auch noch sagt: “Omi, pass ganz gut auf dich und Opa auf“, macht es mich froh. Er wird an Ostern nicht nach Hause kommen können, aber er wird dennoch bei uns sein.


Mein kleines blondes Friesenpüppchen, hat mich und ihren Opa sehr gerührt.

Inzwischen ist auch sie erwachsen. Gleich am Anfang der Ausgangssperre kam sie zu uns und sagte sehr energisch: „Ich kaufe jetzt immer für euch ein. Ich will nicht, dass euch etwas passiert. Ich will euch nämlich noch lange behalten. Ihr seid so wichtig für uns.“ Wenn sie kommt, um den Einkauf mit mir zu besprechen und mich dabei anlacht, ist es, als ob ein warmer Sonnenstrahl mich berührt.

Wie wunderbar ist es, zu merken, wie wichtig wir unserem tollen Sohn, unserer lieben (Schwieger)Tochter und unseren fürsorglichen Enkeln sind. Wobei, wir wissen es zu jeder Zeit, aber jetzt tut es besonders gut.

Heute ist der fünfzehnte Tag oder schon der sechzehnte oder siebzehnte Tag unserer auferlegten Quarantäne oder besser unserer Ausgangssperre? Plötzlich ist es überall ruhig, ganz still. Wir hören kaum noch mal ein Auto, nur die Polizei fährt durch unsere Straße. Aus dem Lautsprecher erklingt manchmal eine ernste Stimme, die uns Menschen auffordert, unsere Häuser nicht mehr zu verlassen. Das sollte inzwischen eigentlich jeder wissen und sich auch daran halten. Manchmal fahren sie auch mit fröhlicher Musik an den Häusern vorbei. Das gefällt mir und ich finde es schön. Aber ich frage mich schon, ob man mir hier gerade meine Freiheit, die Kontrolle über meinen Alltag nimmt?


In irgendeiner Weise schon, aber es ist in meinen Augen natürlich vollkommen richtig so.

Gestern schien, im leider zur Zeit ziemlich verregneten Spanien, endlich mal wieder die Sonne. Ich ging in meinen kleinen sehr hübschen Garten, sah meine blühenden Blumen und erfreute mich daran, wie die Blätter an meinem Apfel- und Birnenbaum sich leicht im Wind bewegten. Das herrlich frische Grün tat den Augen gut. Am Orangenbaum zeigen sich viele wohlriechende, feine weiße Blüten. Ich schnupperte und war fast ein wenig betäubt von ihrem lieblichen Duft.

Unser gemütlicher Relaxsessel im Garten nahm mich gerne auf, als ich mich hineinsetzte. Die weichen Polster schmiegten sich an meinen Körper. Ich schaute mir den fast schon kitschig blauen Himmel an und fühlte mich von der warmen Sonne wohlig umsorgt.

Es war so still, ungewohnt still. Keine Nachbarn waren zu hören, kein fröhliches Kinderlachen. Aber dann nahm mein Ohr das zarte Gezwitscher der Vögel wahr und ich hörte das Lied, das unser nicht weit entferntes Mittelmeer, scheinbar gut gelaunt, von sich gab. Der leichte Wind umschmeichelte meine Haut. Es tat so gut, unsere schöne Natur zu hören und zu spüren.


Leider regnet es heute wieder heftig.

Es ist, als ob der Himmel weinen würde, über das, was auf unserer schönen Welt gerade passiert.

Ich verfolge im Internet, was dort alles geschrieben wird, und wundere mich darüber, was manche Menschen so von sich geben. Da bekomme ich oft eine Gänsehaut. Haben die Verschwörungstheoretiker recht mit ihren düsteren Voraussagen? Wird es tatsächlich so schlimm kommen? Ich bleibe positiv und glaube daran, dass unsere Welt sich vielleicht verändern wird, aber auch dann müssen wir damit zu leben lernen. Was das Leben noch für uns bereit hält, weiß ich nicht, aber andere Menschen ganz sicher auch nicht.

Ich horche in mich hinein, habe ich Angst vor dem unheimlichen Coronavirus? Angst, nein Angst habe ich nicht, aber ein ungutes Gefühl.

Wir werden sehen, wie sehr so ein Virus unsere Welt verändert. Vielleicht auch uns Menschen? Denken wir anders, wenn wir diese Krise überwunden haben?

Wir wissen es heute noch nicht und können nur versuchen, alles was kommt, anzunehmen.

Ich wünsche euch trotz aller Einschränkungen eine gute und gesunde Zeit.


 

  1. Ingrid sagt:

    Schöne, nachdenkliche Worte, liebe Jutta. Ich denke, die Welt fühlt sich derzeit in Spanien noch etwas bedrohlicher an, als hier. Ich sage aber mal „noch“. Wenn ich nachts aufwache habe ich Angst. Am Tag kann ich mit dieser Bedrohung besser umgehen.

    Besonders besorgt bin ich wegen der Zeit danach. Bis zu einer etwaigen Normalität wird es noch lange dauern. Aber vorher wird es irgendwie weitergehen müssen.

    Und da denke ich an unsere Kinder, und alle, die noch im Berufsleben stehen.Sie zählen ja auch nicht mehr zu den Jungen. Was wenn
    der Alltag langsam wieder beginnt. Das Virus ist ja noch da und weiter eine Bedrohung.
    Es wird viel diskutiert in der Politik, wie es weitergeht. Wenn wir alle, die wir nicht mehr arbeiten uns noch länger zurückhalten müssen, o.k. Wenn unsere Kinder nur das Virus nicht abbekommen.

    Wir werden wohl alle irgendwann Gesichtsmasken tragen müssen für längere Zeit. Ich habe schon welche genäht.
    Alles von Hand, da ich keine Maschine habe. Schönheiten sind das nicht, aber für mich bedeutet das auch Solidarität und acht geben vor meinen Mitmenschen. Und ein Zeitvertreib ist es auch.

    Ja, die Welt, unser Leben bekommt nochmal eine andere
    Dimension.

    Ich würde mir wünschen, die Politiker würden daraus eine Lehre ziehen. Globalität ist nicht alles. Es geht ja nur ums Geld für einige.

    Genießt Eure Nähe, das ist Gold wert.
    Wir werden das alles meistern und das, was wir wieder neu gewinnen, erst recht zu schätzen wissen.

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