Mama ab heute heißt du OmaMama, ab heute heisst du Oma – Roman


 

Das Buch ist eine in sich abgeschlossene Fortsetzung des Romandebüts von Jutta Reinert, der unter dem Titel „Schwiegermütter machen dick“ erschien.


Nachdem Julia Ehrenfeld langsam wieder seelisch stabiler geworden ist, gerät sie in eine erneute Krise, als ihre Schwägerin ein zweites Kind bekommt und Julia erkennen muss, dass sie mit über 40 Jahren kein Baby mehr haben wird. Sie empfindet sich plötzlich als alt und nutzlos.

Als ihre Schwiegertochter kurz vor Julias Silberhochzeit ihr dann auch noch freudestrahlend mitteilt: „Mama, ab heute heißt du Oma“, gerät ihr Seelenleben vollständig aus dem Lot.

Die liebevollen und positiven Gefühle für ihre Familie ändern sich. Niemand in der Familie erkennt ihre Seelenlage.

Julia kommt mit der Situation, so früh Oma zu werden, nicht zurecht, und keiner kann ihre Gefühle verstehen oder nachvollziehen.

Julia zieht sich unmerklich immer weiter in sich selbst zurück und gleichzeitig von den Familienmitgliedern. Schleichend geht damit eine Entfremdung einher, die sie in tiefe seelische Nöte bringt.

Mit ihrem Enkelkind kommt sie nicht zurecht, obwohl sie sich alle Mühe gibt, dem neuen Familienmitglied unvoreingenommen zu begegnen. Als dann noch ein faszinierender Mann in ihr Leben tritt, ergeben sich neue Fakten.

Ist die Ehe und das vorher harmonische Zusammenleben mit ihren erwachsenen Kindern in großer Gefahr?  Schaffen die neuen Erlebnisse und Erfahrungen eine Wende in Julias Seelenleben?


Roman Band 2 einer Familientrilogie“Mama, ab heute heißt du Oma”

Cover des Romans Mama, ab heute heißt du Oma
  • Titel: Mama, ab heute heißt du Oma
  • ISBN:978-1-7312-7238-6
  • Taschenbuch (12,5 x 19,0 cm)
  • Softcover
  • 90g/m² cremeweiß, matt
  • schwarz/weiß
  • 192 Seiten
  • Einzelpreis 9,99 Euro
 

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Roman ” Mama, ab heute heißt du Oma”

Um den Tag für Miriam frei zu haben, verlegte Julia ihre Arbeiten auf die Abendstunden. Dann entspannte sie, und unter ihren Händen kamen kleine Kunstwerke zum Vorschein. Ihre Tücher und Krawatten fanden weiterhin guten Absatz, aber auch ihre Zeitungsartikel über Frauenprobleme waren gefragt.

Das Tuch, welches sie gerade verschönte, schien gut zu gelingen. Mit Hingabe zeichnete sie ein Phantasiebild. Satten gelben Tönen gab sie den Vorrang, dazwischen leichte Pastellfarben, die dem Tuch ein feminines Aussehen gaben.

Weich flossen die Farben ineinander. Julia lehnte den Rahmen, auf den das Tuch gespannt war, gegen die Wand, damit es trocknen konnte. Gerade als sie zufrieden mit ihrer Arbeit das Licht löschen wollte, wurde die Tür aufgerissen.

Aufgeregt rief ihr Sohn: „Schnell, Mam! Ich glaube, Miriam hat Wehen. Sie hat stechende Rückenschmerzen und bittet dich zu kommen.“ Julia wusch sich die Hände und rannte die Treppe hoch, gleich zwei Stufen auf einmal nehmend. Miriam saß weiß wie die Wand in einem Sessel. „Es tat schrecklich weh, aber ich glaube, es war falscher Alarm, ich spüre nichts mehr.

Alles in Ordnung.“ Es waren vielleicht zehn Minuten vergangen, oder auch etwas länger, als Miriam sich erneut anspannte. „Ich glaube, es geht wieder los, es zieht sich in meinem Rücken zusammen.

Aber Wehen sind das nicht, sonst würde mir der Bauch wehtun“, beruhigte sie sich selbst. Die Schmerzen kamen in regelmäßigen Abständen, und bald war klar, ihr Baby wollte auf die Welt kommen. Miriam bestand darauf, auch von Julia und Nils ins Krankenhaus gebracht zu werden. Sie wollte nicht allein sein.

Im Krankenhaus angekommen, war Kai-Ole nicht mehr zu gebrauchen, aufgeregt lief er hin und her. Eine junge Schwester nahm sie in Empfang. Sie führte sie in den Entbindungsraum. Wieder war Julia von den Gelbtönen begeistert, sie wirkten warm und beruhigend. Als Julia und Nils sich verabschieden wollten, protestierte Miriam: „Mama, du sollst auch hier bleiben, lass mich bloß nicht allein.“ Nils nickte ihr zu. „Bleib du ruhig hier, wenn Miriam es gerne möchte.

Du siehst doch, wie aufgeregt unser Sohn ist, eine große Hilfe wird er für Miriam nicht sein.“ Miriam wurde in den Untersuchungsraum gebracht. Julia und Kai-Ole gingen währenddessen im Flur auf und ab. Miriam sah ängstlich aus, als sie wieder zu ihnen kam. Ihre Schmerzen nahmen zu, die Wehen kamen in immer kürzeren Abständen. Wimmernd lag Miriam im Bett. Wenn die Wehen kamen, hielt Julia sie fest im Arm, Kai-Ole streichelte ihr Gesicht, und beide sprachen sie ihr gut zu.

In den Pausen zwischen den Wehen versuchten sie Miriam, so gut es ging, abzulenken. Leise Musik erklang aus einem Lautsprecher. Es war eine angenehme Atmosphäre, ein Kind auf die Welt zu bringen. Die junge Schwester hielt sich im Hintergrund. Zwischendurch kam ein Arzt, um Miriam zu untersuchen. Er sprach ihr Mut zu, besprach sich mit der Hebamme, und verließ den Raum dann wieder.

Julia dachte an die Geburt ihres Sohnes. Damals durfte keiner bei der jungen Mutter bleiben. Noch heute sagte Julia oft, am schlimmsten hatte sie es empfunden, dass ihr Mann nicht bei ihr bleiben durfte. Allein hatte sie in einem kalten, sterilen Raum ihre Wehen erlebt und sich schrecklich einsam gefühlt.

Julia schaute auf ihre Uhr, vier Stunden waren inzwischen vergangen. Scheinbar hatte das Baby es jetzt aber plötzlich eilig auf die Welt zu kommen, denn Miriam stöhnte und wimmerte. Der Arzt verließ den Raum nicht mehr. Julia und Kai-Ole gaben Miriam, jeder an einer Seite stehend, Halt.

Schweißperlen standen Miriam auf der Stirn, die Julia ihr liebevoll abtupfte. „Du bist ganz tapfer, mein Schatz“, stammelte Kai-Ole. Wenn Julia in sein weißes, angespanntes Gesicht sah, konnte sie meinen, er würde jeden Moment umfallen.

Von der eigentlichen Geburt bekam Julia nur wenig mit, sie war ganz damit beschäftigt, ihrer Schwiegertochter die Schmerzen zu erleichtern und ihr, so gut sie konnte, zur Seite zu stehen. Wie aus weiter Ferne hörte sie die Anweisungen des Arztes, der Miriam zurief, wie sie sich verhalten sollte. Dann vernahm Julia einen leisen Schrei, und sie wusste, ihr erstes Enkelkind hatte das Licht der Welt erblickt.

„Es ist geschafft, ein strammer Junge. Herzlichen Glückwunsch an die jungen Eltern und die Oma“, lachte der Arzt und legte Miriam den mit Blut und Schleim verklebten Babykörper auf die Brust. Miriam ließ Julias Hand los, an die sie sich geklammert hatte, und legte die Hände um ihr Kind. „Kleiner Patrick, ich bin deine Mama, und hinter dir steht dein Papa. Willkommen bei uns.“ Kai-Ole war glücksselig, er hatte nur noch Augen für Frau und Sohn.

Julia stand abseits, sie fühlte sich plötzlich völlig überflüssig. Die jungen Eltern betrachteten versonnen ihr Kind. Sie betrachtete die kleine Familie, sah ihr Enkelkind mit einem Kopf voller dunkler Haare, und empfand ihr Alleinsein fast körperlich. Langsam ging sie auf den Flur. Ihre Kinder sollten in diesem wunderbaren Augenblick nicht durch sie gestört werden.

Als sie einen Münzfernsprecher erblickte, rief sie Nils an und überbrachte ihm die frohe Nachricht. Nils freute sich riesig. Obwohl es mitten in der Nacht war, klang seine Stimme nicht verschlafen, so, als hätte er kein Auge zugetan. „Ich warte noch auf Kai-Ole, dann kommen wir mit dem Taxi nach Hause, du brauchst uns nicht abzuholen.“ Das Krankenhaus wirkte wie ausgestorben, es war still und ein wenig unheimlich.

Julia ging zurück und setzte sich im Flur auf einen Stuhl. Die Anspannung wich langsam von ihr und machte einer inneren Kälte Platz, die Julia in sich spürte. Nach einer Weile des Wartens stand sie auf und öffnete ein Fenster. Laue Sommerluft kam ihr entgegen. Julia spürte, wie langsam Tränen ihre Wangen herunter rollten. In dieser Nacht war sie Oma geworden.

Kai-Ole und Miriam bildeten von nun an, zusammen mit ihrem Kind, eine eigene Familie. Eine kleine Einheit, wie früher Julia und Nils mit ihrem Sohn. Jetzt gehörten sie der älteren Generation an, ihre Jugend war vorbei.

Als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte, wusste sie, ohne sich umzudrehen, ihr Mann stand hinter ihr. „Genauso habe ich mir das doch gedacht, du stehst hier ganz allein im dunklen Flur und vergießt bittere Tränen.“ „Die drei sind jetzt eine Familie. Wir sind nur noch zu zweit. Ich fühlte mich plötzlich so schrecklich allein. Unsere Kinder mit ihrem Sohn gehören jetzt zusammen, und ich werde nicht mehr gebraucht.“ Julia legte den Kopf an Nils Brust. Seine Nähe und Wärme tat ihr gut. Er strahlte Ruhe und Geborgenheit aus.

Doch als Nils aufgeregt fragte: „Erzähl mal, wie sieht unser Enkelkind aus?“, kroch wieder diese entsetzliche Fremdheit zu ihrem Mann in Julia hoch. Er freute sich über sein Enkelkind, ließ sie im gleichen Moment aber mit ihrem Kummer allein. Jedenfalls empfand Julia es in diesem Moment so. „Ich weiß es nicht. Ich habe nur gesehen, dass er dunkle Haare hat.

Dann bin ich hinausgegangen und habe sie allein gelassen.“ „Du bist immer schon rücksichtsvoll gewesen und hast dich nicht in den Vordergrund gestellt, etwas, was ich an dir besonders schätze.“ ‚Natürlich‘, dachte Julia, ‚auch für dich war deine rücksichtsvolle Julia die ideale Frau‘. Beide dachten sie an die Geburt ihres eigenen Sohnes, dabei beschlich selbst Nils das Gefühl älter geworden zu sein, obwohl er sich sonst nie mit solchen Gedanken befasste.

Strahlend kam nach einer weiteren halben Stunde Kai-Ole auf sie zu. „Mutter und Kind schlafen beide, wir gehen am besten nach Hause, ich bin todmüde.“ Er wurde von seinen Eltern herzlich gedrückt und in die Mitte genommen. Es war für Julia kaum zu verstehen, ihr ‚Kleiner‘ sollte von heute an Familienvater sein.


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