Wenn Mütter nicht mehr wissen, was sie tun sollen

Gestern in Denia gesehen und gehört. Mein Mann und ich saßen in einem Café in der Nähe des Hafens. Die Inhaberin hielt sich an die derzeit geltenden Richtlinien wegen Covid 19. Es stand eine Desinfektionsflasche am Eingang. Ich sah auch, wie die Kellnerin den gerade benutzten Tisch und die Stühle desinfizierte. Der Tisch stand im Schatten, was bei der momentanen Hitze angenehm war. Also setzten wir uns dort hin. Am Nebentisch saß ein Deutsch sprechender Vater mit seinem Sohn, etwa 12 bis 13 Jahre alt und einem süßen kleinen Mädchen, das vielleicht 8 Jahre alt sein mochte. Der Vater trug eine normale OP-Maske, der Junge und das Mädchen jeweils eine Stoffmaske. Die Kleine nahm ihre Maske kurz ab, schaute sie mit einem Lächeln an und meinte: „Sie ist so niedlich, Papa. Danke, dass du sie mir gekauft hast“. Ich schaute etwas genauer hin und musste zugeben, sie sah tatsächlich niedlich aus in dem hellen Rosa mit den roten Herzen. Papa lächelte liebevoll und sagte: „Gerne, mein Schatz.“


Mein Mann und ich grienten uns an,

wir fanden beide den blonden Lockenschopf so süß. Sie erinnerte uns ein wenig an unsere Enkelin, als sie klein war. Sie hätte es damals sicher auch super gefunden, so eine süße Maske zu tragen. Obwohl ich natürlich froh bin, dass sie und ihr Bruder es als Kinder nicht mussten. Heute sind sie erwachsene junge Menschen und ich bin sehr stolz auf sie. Natürlich finden sie es nicht wahnsinnig toll, heute eine Maske tragen zu müssen, aber sie meckern nicht, sondern erkennen den Sinn der Maske an. Mein süßes Friesenpüppchen muss durch ihren Beruf die Maske sogar während des ganzen Tages tragen. Aber nie hören wir negative Aussprüche von ihr oder gar Hass und Hetze, weil es angeblich kein Corona Virus gibt und die Menschen nicht daran sterben – sie aber trotzdem eine Maske tragen muss.

In die ganze Idylle am Tisch neben uns platzte plötzlich eine hübsche blonde Frau, die mit vielen Einkaufstüten beladen war. Sie zerrte ihrer Tochter die Maske vom Gesicht und schimpfte: „Ihr wisst doch, ich bin dagegen, dass ihr eine Maske tragt.“ Auch der Sohn wurde herrisch angewiesen, seine schwarze Maske mit Totenköpfen drauf sofort abzusetzen. Huch, was war denn da los?


Wir schauten etwas erschrocken.

Der Sohn sagte ganz ruhig: „Nein, Mama! Ich setze eine Maske auf. Du kennst meine Meinung und ich werde jetzt nicht mehr mit dir diskutieren. Wenn die Schule wieder anfängt, werde ich sie eh tragen müssen.“

Die Kleine sagte nichts. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie sie ihre Maske streichelte. Ich hatte den Eindruck, sie mochte dieses Stück Stoff.

Auch der Mann sagte zuerst nichts. Dann nahm er die Hand seiner Frau und meinte: „Ich bin Arzt. Glaubst du wirklich, ich würde etwas machen, was unseren Kindern schaden könnte?“

Die Frau wurde ganz ruhig und legte ihre Hand auf seine Wange: „Nein, das glaube ich nicht, aber ich bin nun mal gegen diese schrecklichen Masken. Obwohl, genau weiß ich es eigentlich nicht. Man liest nur so schrecklich schlimme Dinge.“

Das kleine Mädchen stand auf, umarmte ihre Mama und sagte: „Du passt eben auf uns auf, weil du uns lieb hast“.

Mir ging das Herz auf, als ich die Kleine hörte. Sie und ihr Bruder hatten längst verstanden, dass die Mama zwischen zwei Stühlen saß. Ihr Mann plädierte als Arzt für die Maske und im Internet las sie so viele Gruselgeschichten darüber.

Die Kellnerin brachte dem netten Vater mit seinen Kindern drei große Eisbecher. Die drei machten sich lachend über die Eisbecher her. Die Mama bestellte sich auch so einen großen Eisbecher und erfreute sich an ihrer Familie. Abwechselnd streichelte sie ihre Kinder und ihren Mann. Sie hatte natürlich bemerkt, dass wir alles mitbekommen hatten, obwohl die Tische etwas weiter auseinanderstanden, als wir es sonst gewohnt waren. Sie lächelte verlegen zu uns rüber. Wir lächelten zurück.

Die freundliche Kellnerin fragte nach unseren Wünschen und schon bald hatten wir einen fantastisch duftenden Kaffee und ein leckeres Stück Kuchen vor uns stehen.


Der Papa hatte wohl bemerkt,

dass auch wir Deutsche waren und wünschte uns einen guten Appetit. Wir bedankten uns freundlich.

Als die Mutter aufstand, um in das Café hinein zu gehen, nahm sie eine Maske aus ihrer Tasche und bedeckte damit Mund und Nase. Sie blieb an unserem Tisch stehen und meinte: „Ich bin sonst nicht so eine Furie, aber ich habe schreckliche Angst vor dem Virus UND vor der Maske. Man liest so viele schreckliche Dinge. Mein Mann ist Arzt, der sollte wohl wissen, ob es besser ist, eine Maske zu tragen.“ Sie zog die Schultern hoch und ging weiter. Wir merkten ihr an, wie unwohl sie sich fühlte und nicht wirklich wusste, ob sie sich richtig verhalten würde.

Ja, Corona spaltet die Menschen. Es ist traurig! Freundschaften leiden darunter oder gehen sogar deswegen auseinander. Obwohl ich es besser finde, ehrlich zu sagen, unsere Wege müssen sich trennen, bevor wir uns gegenseitig nicht mehr guttun. Aber Familien? Wie herzbewegend ist das denn, wenn Mütter und Väter, die sich nicht einig sind, ihre Kinder darunter leiden lassen?

Ich bin einfach nur glücklich und dankbar, dass ich meine Familie habe und wir auch in Krisenzeiten zusammenhalten.

Die kleine Familie verlies die Terrasse des Cafés, alle mit Maske vor Mund und Nase! Wir konnten ihre Augen lächeln sehen, als sie sich bei uns liebenswürdig verabschiedeten. Die Kleine drehte sich noch einmal um und winkte uns zu.


Mein Mann und ich freuten uns,

als wir sahen, wie Mama und Papa Arm in Arm liefen. Die Tochter bei Mama an der Hand, der Große eng am Papa, der leicht seinen Arm um die Schulter seines Sohnes legte.

So sollte eine Familie funktionieren, nicht immer einer Meinung sein, aber zu Kompromissen bereit. Kein Hass, keine Hetze, sondern innere Verbundenheit. Wir hatten nicht das Gefühl, die Kinder würden durch die Maske schrecklich leiden, wie so oft von Besserwissern geschrieben wird. Sie erschienen uns eher durch die Mutter verunsichert. Und die Mama, die ihre Kinder lieb hat, will nur das Beste für ihre Schätze. Aber sie schien sich eben unsicher zu sein, was das Beste für ihre Kinder ist. Ich kann das gut verstehen.

Wir würden natürlich auch lieber ohne Maske leben. Unserer Meinung nach macht es aber Sinn, eine Maske zu tragen. Es muss jedoch nicht jeder unsere Meinung teilen, aber uns unsere Meinung lassen, ohne dafür beschimpft zu werden.

Wir leben weder in einem Kokon, noch sind wir Schlaf-Schafe oder sehen die Realität nicht. Jeder kann seine Meinung vertreten, muss das aber wirklich in Hass und Hetze ausarten?

Jutta Reinert


Bücher


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